Alle Artikel des Monats: April 2014

Artikel

Der späte Vogel fängt mehr Würmer

1 Kommentar

Es schadet nicht, sich ab und an mal die Vorzüge der eigenen Stadt vor Augen zu führen. Nirgendwo sonst als in Berlin gibt es Frühstück bis in den Nachmittag hinein. In ausgewählten Etablissements sogar rund um die Uhr. Recht so, denn wer maßt sich an zu entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt ist für Rührei, Müsli, frischgepressten Orangensaft? Danke Berlin, dass Du mir Momente wie diesen ersparst: Sonntag morgens um sieben auf Irrfahrt durchs Hamburger Schanzenviertel, selbst die Backketten haben noch zu. Jemand empfiehlt Erna’s Eck (mit Apostroph, was sonst). Schlimmer als da kann auch der Fischmarkt nicht sein, also auf zum Bootsmann-Brunch. Filterkaffee, Rentnertrüppchen, Livemusik. Der Rest ist Schweigen.

Artikel

Ein Goldkehlchen macht den Sommer

7 Kommentare

Nicht-Biertrinker haben es im Sommer nicht leicht. Statt in rauchigen Bars verbringt man die Zeit im Freien, was großartig ist, aber die Getränkeauswahl einschränkt. Während sich alle im Späti um die Ecke Nachschub holen, muss ich entweder Limo trinken oder jemanden suchen, der sich eine 0,7 Liter Flasche mit mir teilt (und sie am besten auch noch trägt). Seit einigen Jahren hat die Alkoholindustrie Leute wie mich als Zielgruppe entdeckt. Vieles ist natürlich großer Quatsch, etwa darunter das sogenannte Frauen-Bier (da läuft es mir kalt den Rücken hinunter) in den Geschmacksrichtungen Ingwer-Orange, Grapefruit, Kirsch-Banane (es gibt übrigens auch Chips, die nach Bier schmecken, willkommen im Genderparadies Deutschland) oder Flaschen, die so hässlich sind, dass man unter keinen Umständen damit gesehen werden will oder Flascheninhalte, die so schlimm schmecken wie der Name vermuten lässt. Was dagegen gut geht, ist Cidre. So erfrischend wie eine Limo (wenn man wieder schwitzt beim Tanzen im Park), geschmacklich denkbar weit von Bier entfernt, mit einer breiten Palette von süßlich über fruchtig bis herb. Was die Corporate Identity betrifft, verstehen die Cidreproduzenten eindeutig mehr von ihrem Handwerk als ihre Kollegen von der Bierfraktion. Der Trend geht zum Lokalkolorit, viele Sorten tragen ihren Herkunftsort im Namen. In Berlin trinken wir Original Berlin Cidre, in Hamburg Elbler als Ebbe (mit weniger Alkoholgehalt) und Flut (mit mehr). Frankfurter sagen Äppelwoi dazu.

In Wien habe ich meinen Lieblings-Cidre gefunden. Er heißt Goldkehlchen, wirbt mit dem Slogan „Schöner zwitschern“ und die Flasche ist so schön, dass ich mich trotz übervollem Koffer nicht von ihr trennen kann. Marketingtechnisch macht das Ehepaar Adam und Eva (so heißen sie wirklich) alles richtig, das Vögelchen zwitschert sogar auf Twitter. Laut Flaschenhals werden die Äpfel in der Steiermark handgepflückt. Geschmacklich ist das Goldkehlchen süßer als seine Hamburger und Berliner Kollegen.

Foto 2Zu kaufen gibt es das Goldkehlchen zum Beispiel bei den Juice Brothers 2. Im Unterschied zum Späti-Paradies Berlin müssen sich die Wiener vor 19 Uhr Gedanken um den Getränkekonsum der kommenden Nacht machen. Die Juice Brothers 2 haben immerhin bis 21 Uhr geöffnet und anders als in Berlin lungern hier keine dubiosen, Sterni-trinkenden Gestalten herum. Discokugeln haben die Neuköllner-Spätibesitzer schon länger für sich entdeckt, hier liegt sie in der Ecke, neben einem Samtsofa.

Foto 2-1

Von innen…

Foto 4

… wie von außen hui.

Schade, dass ich zuhause auf die Goldkehlchen-Flasche als Sommeraccessoire verzichten muss. Da haben es die österreichischen Freunde besser. Das sei ihnen gegönnt, schließlich weichen sie gefährlich oft auf den sogenannten Weißen Spritzer aus, eine Weinschorle aus Wein von so geringer Qualität, dass sich mancher Barkeeper weigert, ihn pur auszuschenken. Nichts für Premium Kehlchen!

Artikel

(Bitte einsetzen): Das Superlativ-Projekt

1 Kommentar

Wenn der Mensch keine Aufgaben hat, schafft er sich welche. Eines meiner fortlaufenden, mit großem Ernst betriebenen Projekte ist das Superlativ-Projekt. Wo in der Stadt gibt es den besten Cheesecake (bei Five Elephants), die beste Falafel, die perfekten Waffeln? Mein letzter Sommer bestand etwa zu einem Großteil aus der Suche nach dem besten Eisladen Berlins. …

Artikel

Weltfrauentag à la française

Hinterlasse eine Antwort

Ich liebe Frankreich. Ich liebe die Sprache und den Stil der französischen Frauen (Carine Roitfeld!), ich liebe die Mischung aus laissez-faire (der Job, der Haushalt, die weniger angenehmen Dinge im Leben) und savoir vivre (zu jeder Mahlzeit ein Glas Wein!), die Art der französischen Männer, jede Frau wie eine Lady zu behandeln und bien sûr …

Foto 3
Artikel

Sweet Mexican Love

Hinterlasse eine Antwort

Im Herr Max auf dem Hamburger Schulterblatt hab ich mich immer schon sehr wohl gefühlt. Wer mit dem Slogan wirbt „Zum Naschen bist Du auf der Welt“, versteht etwas von seinem Handwerk! Torten, die beinahe zu schön zum Essen sind in Puppenstubenathmosphäre erinnern mich immer an meine Lieblingstante Inge. Herr Max allerdings ist mehr Onkel als Tante, mehr Konditorei als Café. Das schon so oft gesehene Sammelsurium aus Omageschirr, Retroservierwägelchen und Spitzendeckchen funktioniert hier zur Abwechslung mal wieder. Hobbybäcker erblassen vor Neid angesichts des kunstvollen Backwerks hinter blitzblanken Scheiben. Bei meinem letzten Besuch mit meiner Mama gab es Mohn-Heidelbeertorte und ein Kirsch-Rosmarin-Tartelette. Wie all meine Hamburger Lieblingsorte hat auch das Herr Max gekachelte Wände – an denen neuerdings handbemalte Porzellankunst von Frau Ines hängt. Meine Mama findet Skelette makaber, ich nicht.

Foto 4

Retrogeschirr, böse aufgepeppt.

Foto 4-1

Foto 1

Raufasertapete, aber wer ist schon perfekt?

Vielleicht verweisen die Skelettporträts gar auf einen neuen Trend. Die Bekanntschaft dieser Dame macht man im Chaparro, einem der besten Burritoläden in Kreuzberg. Burritos, Mexiko, Frau Ines, so schließt sich der Kreis.

Foto

Smile like you mean it!