Alle Artikel des Monats: Mai 2014

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Jeder Balsamicoschliere ihre Daseinsberechtigung

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Welchen Satz hören Leute, die sich nie entscheiden können, am Liebsten? „Wir nehmen alles.“ Funktioniert im normalen Leben eher selten, beim Essen gehen nur, wenn die Karte maximal fünf Gerichte umfasst. Anders verhält es sich bei sogenannten Degustationsmenüs. Im Cinco, dem Restaurant des Hotels Stue, umfasst ein solches Menü unglaubliche zweiundzwanzig Gänge. Zweiundzwanzig! Die Antwort …

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Die schönste Nebensache

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„Toiletten sind die Visitenkarten eines Restaurants“, sagt meine Mama. Wenn das stimmt, ist das Toca Rouge die allererste Adresse auf der an ersten Adressen nicht armen Torstraße. Kaum größer als die durchschnittliche WG-Küche; genau genommen so klein, dass man praktisch auf dem nimmt auf dem Schoß des Nebensitzers Platz nimmt. Allein essen gehen geht immer (finde ich) …

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Von meinem Unverständnis für Filterkaffee und einem ganz großartigen Carrot Cake

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Kaffee ist das Distinktionsmittel der Stunde. Latte Macchiato mit H-Milch? Amarettini auf der Untertasse? Are you kidding? Wer kulinarisch etwas auf sich hält, fürchtet wässrigen Cappuccino wie der Teufel das Weihwasser. Da will ich mich gar nicht rausnehmen. Ratlos beobachte ich dagegen den derzeitigen Siegeszug des Filterkaffees. Mit Filterkaffee assoziiere ich Nachmittage bei Oma und …

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Statt Designerdrogen

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Neulich am Rosenthaler Platz: Zum ersten Mal verkoste ich die Eisdiele des Petit Fleury. Meiner Aversion Fruchteis gegenüber zum Trotz, folge ich der Empfehlung des schmucken Eisverkäufers und stelle der Kugel Gries eine Kugel Joghurt-Orange bei. Das Gries-Eis ist: der Shit. Das Orangen-Eis auch. Beides aus Biomilch, für unglaubliche ein Euro pro Kugel (zur Erinnerung: das ist Mitte). „Joghurt mit Organgenschale“, sagt der schmucke Eisverkäufer, „das ist mein Crystal Meth.“ Seine Chefin, die mitgehört hat, fügt hinzu: „Deswegen siehst Du so gut aus!“

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Street Food, echt jetzt!

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Street Food ist überall. Durch die Metropolen dieser Welt rollen die Food Trucks, selbst die feinen Pariser reihen sich zur Mittagszeit bereitwillig in eine Schlange ein, um das Erstandene  – mon dieu! – im Stehen zu verzehren. Street Food ist ein dehnbarer Begriff, im Prinzip kann sich jeder Hähnchenmann vor dem Provinzsupermarkt damit schmücken. Mehr …

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Cookie Couture

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Wenn in New York eine neue Süßigkeit erfunden wird, dreht die Stadt durch. Alle fiebern dem Termin der ersten Verkostung entgegen, die nach dem Prinzip der künstlichen Verknappung funktioniert (nur 200 Stück), weswegen es Regeln für die Verteilung gibt (pro Person maximal zwei Stück). Der neue heiße Scheiß ist ein Cookie Shot, außen Keksteig (auf Wunsch tatsächlich heiß), innen vierundzwanzig Stunden mit Vanillebohnen versetzte Biomilch. Seit dem 14. März 2014 um 15 Uhr verkauft die Spring Street Bakery in Soho dieses Wunderwerk für okaye drei Dollar pro Stück. Der Cookie Shot-Relaunch war der New York Times einen halbseitigen Artikel wert, inklusive „seven things you need to know about.“ Erfunden hat den Zwitter aus Gebäck und Getränk Dominique Ansel, der schon mit seinem Cronut, einer Kreuzung aus Doughnut und Croissant, die kulinarische Welt in Aufruhr versetzte. Den Cronut gibt es mittlerweile sogar bei KAISERS in Berlin. Vermutlich wird ihn dasselbe Schicksal ereilen wie Macarons und Frozen Joghurt, nämlich die schrittweise Belanglosigkeit bis hin zum Total-Ausverkauf in den Fußgängerzonen bundesdeutscher Provinzstädte. Mal schauen, wie es dem Cookie Shot ergeht.

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Mohnkuchenalternativen

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Die Markthalle Neun in Kreuzberg ist eine Vorstufe zum Paradies. Abgesehen von den angeblich besten Focaccia der Stadt und dem sicherlich besten Barbecue (auf das ich aus pescetarischen Gründen derzeit verzichten muss), gibt es einige Stände mit grandiosem Backwerk. Ich empfehle den Wohnküchen bei Barbaras Küche hinten links in der Ecke. Es kommt einem Wunder gleich, dass ich überhaupt noch etwas anderes probiert habe, denn Mohnkuchen könnte ich jeden Tag essen. Glück gehabt, denn bei Frau Zeller gibt es mehr als genug ebenbürtige Alternativen. Jeden Freitag und Samstag verkauft die Bäckermeisterin Kuchen, Torten und Gebäck der Extraklasse. Engadinder Nuss-Nougat-Torte, Karamell-Frischkäse-Kuchen, Sachertorte, Mandelkekse, Florentiner. Letztes Mal gab es für mich Rhabarberbaiser. Leider hat das gute Stück den Fahrradtransport nicht unbeschaden überstanden, weswegen ich aufs Foto verzichte. Dem Geschmack hat das keinen Abbruch getan!

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Von Hasen und Hirschen

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Wer lange sucht, wird endlich fündig: Nach fünf Jahren im Simon-Dach-Kiez habe ich kurz vor meinem Umzug endlich einen guten Ort zum Trinken gefunden. Mehr als das, The Antlered Bunny wird umgehend in die Liste der Lieblingscoctailbars aufgenommen. Anders als in den umliegenden Etablissements bedeutet Cocktail hier nicht, dass Schirmchen in den Gläsern hängen. Kaum größer als eine WG-Küche, bietet dieser Häschenbau doch Platz für alle, notfalls werden zusätzliche Hocker herangeschafft. Am schönsten sitzt es sich in der kleinen Höhle links des Eingangs.

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Totalreporter auf Trinkmission

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Das Zeit Magazin war optisch immer schon das Zugpferd des dazugehörigen Wochenblatts, jetzt sieht es noch hübscher aus. Viele Beiträge aus dem Heft, so heißt es, werden gleich online gestellt und zusätzlich mit Video/Audio etc. pp. aufbereitet. So funktioniert Onlinejournalismus! Hinzu kommt, dass dem Sujet „Essen und Trinken“ immer mehr Bedeutung beigemessen wird. Was der Biobürgertum-Leser mit den saisonalen Produkten aus seiner Biokiste anfangen soll, weiß Elisabeth Raether im Wochenmarkt.  Als Die Trinkende Frau ist Raether ferner für die Momente zuständig, wo es den Leser nach flüssiger Erleuchtung dürstet. Auf diesem Gebiet bekommt sie jetzt Unterstützung von Frédéric Schwilden.

Schwilden ist eine echte Entdeckung. Seine lakonischen Texte (unter anderem für den Rolling Stone, die Welt, die Berliner Morgenpost) wirken wie zwischen zwei Latte Macchiatos im St. Oberholz entstanden, ein bisschen Gonzo, ein bisschen Berlin-Mitte (wahrscheinlich wohnt er eh in Kreuzberg). Ein Totalreporter, in dessen Porträts der von-Uslar-Sound nachhallt, kürzlich etwa über Friedrich Liechtenstein (der neue Liebling bundesdeutscher Feuilletons). Neben Kultur interessiert sich Schwilden offenbar auch für die leiblichen Genüsse. Vor einigen Wochen traf er für die Welt am Sonntag einen ehemaligen Geisteswissenschaftler, der jetzt als Koch arbeitet, also den heimlichen Traum jedes Geisteswissenschaftlers in die Tat umgesetzt hat (der Artikel ist leider nicht online). Kantinenluft schnupperte er zuvor während eines einwöchigen Praktikums bei Tim Raue, um das ich ihn wirklich beneide.

Für die erste Ausgabe seiner „bereits jetzt sehr beliebten Serie“ (Schwilden über Schwilden) Eine Flasche mit trifft er den Jungsommelier Billy Wagner zu später Stunde in dessen privater Wohnung. Kredenzt wird ein Blutorangengeist aus der Monkey 47-Destillerie. Wohl bekomm’s! Billy Wagner war bis vor kurzem Restaurantleiter der überaus empfehlenswerten Weinbar Rutz. Derzeit sucht er nach Räumlichkeiten für sein eigenes Restaurant. Intim soll es werden, mit einer festen Menüabfolge, am Besten zweistöckig, damit Platz ist für den Weinkeller. Der Name: Nobelhart und Schmutzig – Eine Mahlzeit.

Ich selbst hatte dereinst die Ehre, ein Gläschen mit Billy zu trinken. Billy ist ein wenig kauzig, eben so exzentrisch wie die Kombination aus rotem Bart und Hut oder Hosenträgern oder beidem vermuten lässt. Aber immer noch weniger einschüchternd als die meisten anderen Sommeliers. Wer schon mal mit Profis getrunken hat, kennt das Gefühl, lieber stumm zu schlucken als etwas peinlich Falsches zu sagen (der Wein korkt?). Dass das Quatsch ist, kann man von Leuten wie Billy lernen. Demnächst in seinem neuen Restaurant oder bei Wine Vibes, dessen erste beiden Ausgaben in Berlin (2012 und März 2014) ich leider verpasst habe. Hauptsache nicht aus der Übung kommen! Denn ewig gilt: „Es dauert lange bis man ein großer Weinkenner wird. Aber es ist eine schöne Zeit.“ Ich bin gespannt, mit wem Schwilden im Auftrag des Zeit Magazins als nächstes übt. Totalreporter, entkorken Sie!

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Der frühe Vogel trinkt den Sturm

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Österreich ist so ein tolles Land. Wäre da nicht die Weinkultur. Meinem subjektiven Empfinden nach beschränkt sich das Angebot auf überschaubare vier Rebsorten, nämlich Grüner Veltliner, Muskateller, Zweigelt und Blaufränkisch (laut österreichwein.at zweiundzwanzig Weiße und dreizehn Rote). Wenn es gut läuft, als Schmankerl einen Gemischten Satz. Und zwar nicht nur hierzulande bei Edeka (wo Frankreich …