Alle Artikel des Monats: November 2018

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Der Ernst des Essens

Der perfekte Sonntag…war in diesem Fall ein Freitag. Ich habe aufgehört die Tage zu zählen, wie lange ich schon beI Ernst essen will, und es einfach getan.

Das Menü bestand aus 35 Gängen. Dylan Watson-Brawn arbeitet mit hochqualitativen Zutaten, die nicht, wie von mir angekommen, aus dem Berliner Umland stammen, sondern von dort, wo sie seiner Meinung nach am besten sind. Der Tintenfisch zum Beispiel kam an diesem Tag von einem Anfang zwanzigjährigen, bretonischen Fischer. Storytelling spielt bei dieser Art Essen eine wichtige Rolle. Nicht immer ist es dem Endergebnis aka Genuss zuträglich, aber ein steigendes Bewusstsein für die Herkunft und den Herstellungsprozess von Lebensmitteln auf jeden Fall begrüßenswert. Auf diese hochqualitativen Zutaten wendet Watson-Brawn dann japanisch inspirierte Techniken an, viel Dashi, viel Kombu, vor allem aber strengste aromatische Reduktion.

Dass sein Stil polarisiert, wusste ich vorher schon. Einige Gerichte bleiben präsent, etwa die Ricotta-Kohl-Ravioli mit gegrillter Kamille, die grünen, sieben Mal blanchierten Walnüsse in Mandelmilch und der am selben Tag produzierte, Heu-geräucherte und mit griechischem Olivenöl beträufelte Käse aus Seewalde. Leider ist mir der Name des Erzeugers abhanden gekommen, was ganz gut mein Problem dieses Abends veranschaulicht. Fotografieren mit zwei elektronischen Geräten, den schnell vorgetragenen Ausführungen der Köche zuhören, Notizen machen, eine Unterhaltung mit dem Gegenüber führen (das ein Nebendran ist, weil Ernst das Chef‘s Table-Prinzip verfolgt), teilweise grandiose biodynamische Weine trinken (Favorit: 2016 Savagnin Autrement von Domaine de Saint Pierre) UND essen, auch wenn es oft nur ein Bissen ist, das schafft kein Mensch. Nach etwa der Hälfte der Gänge riet man mir, mich auf die Teller zu konzentrieren, außerdem wurde mir eine detaillierte Auflistung in Aussicht gestellt. Toll, dachte ich mir, und legte den Stift weg. Am Ende des Abends kam ein Zettel mit jeweils einem Wort pro Gang. Vielleicht gehört auch das zum Ernst-Konzept: die japanische Fokussierung auf den Moment, die Akzeptanz von Vergänglichkeit.

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Dylan Watson-Brawn in seinem Element

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Champignon-Tartelettes

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Lieblingsgang: siebenfach blanchierte Walnüsse in Mandelmilch

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Radieschen

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Der flüssige Favorit des Abends

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Viele Köche verderben nicht den Brei

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Als wäre der Kühlschrank niemals erfunden worden

Jeder kann zur Zeit von einem Fermentationsexperiment erzählen. Ich hab mich an Kimchi versucht (bisschen salzig, aber besser als die meisten Fertigprodukte), an Karotten (aus Ekelgründen vorzeitig abgebrochen) und einem Zucchinichutney (da ist sozusagen noch Luft nach oben). Andere wissen von explodierenden Weckgläsern zu berichten. Fermentation ist einer der wichtigsten Trends in der gehobenen Gastronomie ebenso wie in privaten Küchen. Köche auf der ganzen Welt greifen auf das Wissen ihrer Großmütter zurück, ganz so als wäre der Kühlschrank niemals erfunden worden. Für Zeit Online habe ich Markus Shimizu von Mimi Ferments besucht und in einige andere Vorratskammern geschaut.

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Lucky me

„Attention, vendages – Vorsicht, Weinlese“ steht in Weinregionen wie der Loire auf Straßenschildern geschrieben. Pourquoi ça?

Es ist nämlich so: Traubenlesen ist zwar manchmal anstrengend, aber auch meditativ, mit viel Zeit für gute Gespräche mit dem Gegenüber. Es herrscht eine Mischung aus Hippie- und Anarchiestimmung, alle teilen alles und verloren geglaubte Dinge (Regenjacken, Kameradeckel, Hipsterjutebeutel) kommen ganz sicher zurück.

Wer viel arbeitet, muss natürlich gut essen. Das zweite Frühstück wird im Weinberg eingenommen, Brot, Käse, Auberginenpaste, Muffins, manchmal ein Pain au chocolate und Pet Nat aus Espressotassen. Mittags und abends gibt es zum obligatorischen Wein – La Pause etwa oder Lucky You – vegetarische Gerichte aus lokalen Bioprodukten, mal französisch, mal Italienisch, mal armenisch, je nachdem, wer aus dem Team gerade im Küchenplan steht. Manchmal sogar Hipsteressen wie Quinoa-Salat mit Superfoods, dazu passt der Hipsterwein von Laurent Saillard (Zitat Laurent Saillard) natürlich sehr gut.

Nach Feierabend gehen alle zusammen im Fluss baden. Später wird gefeiert, gegessen, getrunken, gesungen, getanzt und diskutiert, auf Denglisch, Franglaise oder etwas ganz anderem. Am Wochenende helfen sich die Ernteteams befreundeter Winzer ohne Lohn gegenseitig aus, anschließend gibt es ein großes Erntefest, das vom Mittag in die Nacht übergeht. Viele Magnumflaschen auf dem Tisch.

Hoffentlich wird man in einigen Monaten über den Wein sagen können: Es war ein gutes Jahr. Auf die Weinlese in Pouillé trifft das definitiv zu. Lucky me, dass ich dabei sein konnte.

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Persönlichkeitsrechte wahren

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After Work Bad in der Cher

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Wortspiel auf Französisch

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Passt schon

Zwei Männer, zwei Städte, kein Hexenwerk: Vor zehn Jahren wurde der Gin Basil Smash erfunden. Joerg Meyer von der Hamburger Bar Le Lion reklamiert die Idee für sich. Hariolf Sproll von der Blaupause in Ulm entgegnet, er sei mit einem ähnlichen Drink ein paar Wochen früher dran gewesen. Wenn zwei sich streiten, freuen sich alle Liebhaber eines erfrischenden Drinks auf Gin-Basilikum-Basis. Meyer sagt: „Ist ja kein Hexenwerk.“ Sproll sagt: „Passt schon.“ Wir gratulieren! 

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Die allergeilste Rote Bete

… gibt es bei Wenzel Pankratz. Ein Geheimtipp ist dessen Forsthaus Strelitz inzwischen nicht mehr, aber unbedingt eine Reise wert. Für die FAZ hab ich mit ihm über die Vorzüge seines selbstangebauten Gemüses gesprochen und warum er trotzdem im Großmarkt einkauft, über seine extrem coole Zeit in der Berliner Sternegastronomie und warum er über offenem Feuer kocht – „weil es billiger ist.“

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Hallo!

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Auch der Honig wird selbst produziert

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Karotte, Porree, Schafsquark

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Huberts Einmaleins

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So schön kann das Berliner Umland sein