Alle Artikel veröffentlicht in ‘Abends

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Eine Nase Dorfkindheit

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In der Menüabfolge heißt es schlicht: Muskatkürbis, Roberto Vena

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Hier liegt Stroh! Aufgenommen in der Schaukäserei „Wilder Kaiser“ in Tirol

Wie lange kann ich mit geschlossenen Augen an einer Tasse riechen? So lange, bis der Koch besorgt nachfragt, ob alles in Ordnung sei. So lange, bis ich weiß, woran mich der Duft erinnert. An frisch gemähtes Gras, das zu Heu wird, an Stall, Blumen, deren Namen mir niemand beigebracht hat, an meine Kindheit auf dem Dorf, an einen Morgen in den Sommerferien, wenn der Tau noch in den Wiesen hängt und man es kaum erwarten kann, rauszugehen,  an den bunt bemalten Bauwagen am Waldrand, an schwüle Nachmittage mit Minimilk-Eis von der Dorfbäckerei, an heimliche Ausflüge zum Hochhausspielplatz, der außerhalb des erlaubten Radius lag, an nackte Knöchel in Bachwasser, Mückenstiche und Stroh in den Kleidern und ein bisschen auch an Kamillentee und flüssige Butter. Getrunken im Nobelhart & Schmutzig.

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Die Perle kochte

Vor einigen Wochen habe ich gekocht, für Freunde und Fremde. Nachdem ein Tischproblem gelöst und die Sprachbarriere überwunden war, wurde der Abend so, wie ich ihn mir gewünscht hatte. Mit guten Gesprächen, neuen Bekanntschaften, niemals leeren Gläsern und einem Essen, das nicht immer perfekt, aber stets mit Liebe gemacht war. Das kam auf den Tisch: …

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Ein Essen? Ein Ereignis

Ein Freitag Abend in Shibuya. Überall sieht man zum „V“ geformte Hände, denn sobald eine Kamera in der Nähe ist, machen Japaner das Victory-Zeichen: Naturgesetz. Aus allen Richtungen tönt es 可愛い, kawaii, zu deutsch „süß“. Kawaii ist die Lieblingsvokabel der japanischen Frau, ganz gleich welchen Alters: Klischee, aber wahr. Auch sonst ist Shibuya genau so, wie …

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Auch in Nigeria kochen sie mit Maggi

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Links im Bild: Tibsi, ein Fleischeintopf aus Eritrea. Rechts im Bild: frittierte Fischköpfe, in Nigeria eine Delikatesse

Am Vorabend des Nachbarschaftstreffens von ZEITonline haben wir mit unseren Gästen gekocht. Es gab Vorspeisen aus Syrien, Hauptgerichte aus Eritrea und Nigeria und ein Dessert aus Pakistan. Es gab keine unangenehmen Überraschungen, abgesehen davon, dass ein Topf voller Fischköpfe im Weg stand – eine Delikatesse, sagt Bright. Neben Reis von Edeka machten die Köche auch von Maggi Gebrauch. Wahrscheinlich verbindet uns mehr als uns trennt.

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Anleitung zum Vegetarier sein

Obwohl ich in dieser Woche sicher zwanzig Stunden im Theater verbracht habe, bleibt dieser Abend in Erinnerung. Bei „Welcome to Germany“, einer Arbeit des Performancekollektivs Monster Truck, sitzt das Publikum an Biertischen auf einer kreisförmigen Bühne, eingefasst von einem zünftigen Bayern-Panorama. Wer schon mal auf der Wiesn war, wähnt sich in München. Zwei stramme Burschen in Lederhosen knallen jedem Zuschauer eine Wurst auf den Tisch. Ich sage „Nein danke, ich essen kein Fleisch“, die Wurst bleibt stehen.

Dann wird es dunkel und eine Frau im Hygieneanzug betritt die Szene. Von der Decke senkt sich ein Fleischerhaken herab, daran baumelt ein totes Ferkel. In den folgenden zwanzig Minuten zerlegt die Frau dieses Schwein mit kalter Präzision; „fachmännisch“ lautet die Vermutung von jemandem, der noch kein Schlachthaus von innen gesehen hat. Währenddessen, und das ist natürlich ein herrlich physischer Theatermoment, stinkt die Wurst auf dem Pappdeckel vor sich hin.

Für Leipziger Intendanten reicht so eine Sauerei, um ein Stück nicht zur Aufführung zu bringen, Berliner, die im Theater eben noch brennende Briefe gesehen und Kalkbrenner gehört haben, bleiben gefasst.

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Lieber die Wurst auf dem Teller…

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… als das Schwein auf der Bühne?

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Auf ein Gläschen mit Rainer Schulz

Für die Zitty habe ich mit Rainer Schulz, dem Inhaber der Kurpfalz-Weinstuben, über Männer, Frauen, Facebook und natürlich Wein gesprochen.

Rainer Schulz trägt dieselbe Brille wie auf dem Foto eines alten Zeitungsartikels. Cognacfarben, mit kreisrunden Gläsern und dezentem Farbverlauf. Exakt dasselbe Modell gibt es in einem sogenannten Pop-up-Store auf der Torstraße zu kaufen, sein Träger ist also absolut auf der Höhe der Zeit. So wie mit dem Brillenmodell verhält es sich auch mit Schulz’ Philosophie – abwarten, bis einem der Zeitgeist in die Hände spielt.

Nachzulesen hier.

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Männer, die auf Fleischberge starren

Wenn Restaurants ein Geschlecht hätten, wäre das Chicago Williams der verdammt noch mal männlichste und zugleich klischeehaft-männlichste vorstellbare Mann. Er würde Bart tragen (im Badezimmer selbstbewusst das dazugehörige Bartpflegemittel platziert), Holzfällerhemd (als post-ironisches Zitat des Holzfällerlooks, der natürlich schon wieder over ist), vielleicht ein Trucker-Käppi, vielleicht einen wife beater und er würde kein Verständnis haben …

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Wieder was geschafft: ein neuer Lieblingsitaliener in Kreuzberg

Die Suche nach dem neuen Lieblingsitaliener ist für 2015 bereits erfolgreich abgeschlossen – ich habe das Maselli entdeckt. Inhaber Signore Maselli stammt aus Bari, jener Stadt tief im Süden, an Italiens Stiefelabsatz. Von dort hat er apulische Spezialitäten wie den Street Food-Snack “Bombette” mitgebracht – kleine, gefüllte Rindsrouladen. Schon die Antipasti sind so herrlich, dass danach eigentlich kein Platz mehr im Bauch ist: Sauerbohnenpüree mit Olivenöl, Thunfisch-Carpaccio, Auberginenauflauf. Die Burrata gehört zu den besten, die ich je gegessen habe. Weiter geht es mit Pasta: mit weißen Bohnen, Löwenzahn und fermentiertem Ricotta oder Schweinefleischröllchen. Als Secondi gibt es jenen Pulpo, der als Logo die Wand ziert. Fisch und Meerestiere sind nur erhältlich, wenn deren absolute Frische garantiert ist. Ein Muss ist auch die Salsiccia, eine grobe Bratwurst mit Fenchelaroma. Getrunken werden fast ausschließlich apulische Weine; alle vier offenen Roten offenbaren pures Glück. Als Dolci gibt’s den Klassiker Tiramisú und ein Gläschen Limoncello. Letzteres mit dem Chef persönlich, wie es sich eben gehört für einen Abend beim Lieblingsitaliener.

Via Cee Cee.

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„Es gibt im Floinc alles und jederzeit“

Wenn man glaubt, alles gesehen zu haben, findet man sich zum Dinner im achten Stock eines verlassenen Plattenbaus mit dem angemessen größenwahnsinnigen Namen Neu West Berlin wieder. Vorausgesetzt, man hat sich zuvor durch einen Hinterhof gefragt, der Verwahrlosung der Eingangstür getrotzt und das „Außer Betrieb“-Schild auf dem Aufzug ignoriert. Oben angelangt, geleitet einen eine junge, …

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Die mörderische Frage, welcher Artikel zu benutzen ist

Je exquisiter der Ort, desto raffinierter seine gesellschaftlichen Codes. Anders als in sogenannten Szeneclubs selektieren Restaurants ihre Gäste nicht an der Tür. Umso mehr kommt es drinnen auf die feinen Nuancen an. Ganz besonders in Berlin, wo alle gleich sind, aber manche gleicher. Nirgends wird das ersichtlicher als im Grill Royal. Die erste Tücke lauert in …

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Meine Mikrowelle und ich

Aus zweierlei Gründen kommt der Lieferservice Kukimi genau rechtzeitig. Erstens steigt im Advent die Päckchenfreude überproportional an. Wie schön, Anfang Dezember ein Paket voller Essen zu bekommen. Zweitens liegt meine Masterarbeit in ihren letzten Zügen. Prokrastinierer kennen das: plötzlich fallen einem ständig Dinge ein, die jetzt sofort gekocht werden wollen, natürlich solche mit umfangreicher Zutatenliste, …

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Im Hartweizen gewesen. Burrataschaum gegessen.

Ein Fläschchen Olivenöl am Tisch für drei Euro? Das ist leider symptomatisch für die sogenannte Politik des Hartweizens. Die Verwunderung des Mitarbeiters darüber, dass die Dame den Wein auswählt, macht es nicht besser. Zu früher Abendstunde ist das favorisierte Gericht – hausgemachte Linguine mit Mies und Venusmuscheln – bereits aus. Es muss auf die wesentlich …

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1,46 – Challenge accepted

Auf der Eat & Style gewesen. Wein getrunken. Am Messestand von Capreo hängengeblieben. Der Weinvertrieb Capreo kooperiert mit dem Supperclub Die Weinküche. Capreo wiederum möchte mit mir kooperieren. Visitenkarten wurden ausgetauscht. Wir wurden uns schnell einig.

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Was Hans mich nicht lehrt, lern ich von Hänschen

Ich habe einen Wiener Freund, der möchte mir seine Kultur erklären. Nennen wir ihn Hans. Hans findet, nichts bündele die österreichische Seele so sehr wie der Heurige. Man muss sich den Heurigen als bodenständige Version eines Weinlokals vorstellen. Hans‘ Jugend fand praktisch ausschließlich im Heurigen statt, daher sein fundiertes Wissen und sein Wunsch, mich an …

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Von Blogger zu Blogger

Der Blogger ist ein einsamer Wolf. Selten begegnet er seinen Artgenosen in der freien analogen Natur, meistens bleibt es beim gegenseitigen Beschnüffeln im Netz. Zu meinen liebsten Kolleginnen gehört Katharina Seiser. Esskultur.at ist denkbar weit vom üblichen Rezept-Schnickschnack entfernt, stattdessen gibt sie Tipps, mit welchen Speisen man die Hitze übersteht (damals, ach, im Sommer), Erfahrungsberichte, …

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Kürbis – Süßes oder Saures?

Aufgewachsen sind wir in dem Glauben, der Kürbis gehöre zum Herbst. Kinder höhlen ihn aus, um Kerzen in die Fratze zu stecken. Hausfrauen packen ein „Zier“-Präfix davor und dekorieren damit den Eingangsbereich. Teenies begründen so die dämliche Tradition von Halloween. Foodbloggerinnen backen Pumpkin-Peanutbutter-Cookies (glutenfrei). VICE hat wieder was zu meckern. Seit exakt zwei Jahren allerdings …

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Bei Anton gewesen. Gut gegessen

Hier können die Alten noch was lernen: Regionale Küche, die vergessene Klassiker reanimiert, mit Bioprodukten zubereitet und serviert von einem durchweg jungen Team – das ist das Konzept des Pop-up-Restaurants Anton kocht. Dessen Namensgeber hat mit seinen 22 Jahren schon eine beachtliche Laufbahn hinter sich: Seine Ausbildung absolvierte er im Vau, anschließend arbeitete er bei Tim Raue. Während Anton kocht, kümmert sich sein Vater um die Weine. Rund 170 stehen auf der Karte, alle im offenen Ausschank. Man trinkt deutsch – und fördert so die heimischen Nachwuchswinzer – und man isst deutsch. Auf der Karte, die während des Pop-ups noch mehrfach wechseln wird, stehen täglich heimische Klassiker “neu interpretiert.” Eine durchgekaute Formulierung, hier trifft sie auf schmackhafte Weise zu. Die Zitrone der Forelle “Müllerinnen Art” ist – erhitzt, im Ganzen püriert – zu einem Mousse von enormen Aroma geworden. Der simple Dessert-Klassiker “Kalter Hund“ besteht aus einer feinen Scheibe Keks mit cremig schmelzender weißer Schokolade. Seine dreigängige Menüabfolge stellt sich jeder Gast aus den zwölf bis vierzehn Gerichten selbst zusammen. Auf Wunsch gibt es eine Weinbegleitung dazu. Favorit ist der Gemischte Satz von Krebs Weiss. Unbedingt probieren: die Käseauswahl von Fritz Lloyd Blomeyer. Wenn sie sich so souverän gibt, brauchen wir uns um die junge deutsche Küche keine Sorgen zu machen.

Via Cee Cee

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Statt Apfel

Kind sein: das Gefühl, in der ersten großen Pause die Tupperdose zu öffnen, gespannt, was Mama eingepackt hat. Ein Gefühl, das sich stressanfällige Erwachsene neuerdings mit Hilfe von Lieferservices in Erinnerung rufen, die ihnen sowohl den Selektionsprozess (was esse ich heute?) als auch die Zubereitung (was heißt dünsten?) abnehmen und obendrein die kindliche Überraschungslust bedienen. …

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Dinner for one

So, wie die Schauspielerin Nora von Waldstätten gerne nur für sich kocht, gehe ich von Zeit zu Zeit gerne alleine essen. Statt Tischgesprächen herrscht dann stille Kontemplation, frei schweift der Blick im Raum umher, niemand findet es peinlich, wenn ich meinen Teller fotografierem, niemand kommentiert mein Esstempo. Manchmal ist dieses Minus Eins beziehungsweise Plus Null …

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Geile Schweine oder: Tiere gehen immer

Durch die Wahl des Weines versichert sich der weintrinkende Urbanist seiner urbanen Identität. Besser also, der Weinhersteller holt sich einen patenten Produktdesigner mit ins Boot, der mithilfe einer ansprechenden corporate identity das Trinken zum Event macht. Unübersehbarer Trinktrend im Jahr 2014: Tiere des Waldes, gerne gezeichnet, gerne monochrom. Ich weiß das, ich habe eines auf …

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BBQ, beautiful

Life is beautiful? Sommer in Berlin ist meistens ziemlich beautiful, allerdings nicht bei Nieselregen und siebzehn Grad. Besser, man befindet sich hinter Glas, mit Blick auf die Stadt und dem Sommer auf den Tellern. Zum Beispiel im Neni, dem Restaurant im obersten Stockwerk des 25 hours Hotel im Bikini Berlin.

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Mitteschön

Kaum ein Ort hat eine derart hohe Restaurant-Dichte wie Berlin-Mitte. Um Aufzufallen, ist manchen jedes Mittel recht. Allzu leicht übersieht man die Perlen, insbesondere wenn sie ganz bescheiden auf das Schild verzichten. Das Lokal in der Linienstraße ist eine solche Perle. Seine Einrichtung ist so schön, dass man auf das Draußen-Sitzen selbst an lauen Sommerabenden …

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Jeder Balsamicoschliere ihre Daseinsberechtigung

Welchen Satz hören Leute, die sich nie entscheiden können, am Liebsten? „Wir nehmen alles.“ Funktioniert im normalen Leben eher selten, beim Essen gehen nur, wenn die Karte maximal fünf Gerichte umfasst. Anders verhält es sich bei sogenannten Degustationsmenüs. Im Cinco, dem Restaurant des Hotels Stue, umfasst ein solches Menü unglaubliche zweiundzwanzig Gänge. Zweiundzwanzig! Die Antwort …