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Knödeldicke Deern

Knödel machen glücklich. Jeder, der einmal länger als drei Tage am Stück in Wien, der Knödelhochburg des deutschsprachigen Raums war, weiß das. Nur mit viel Willenskraft schweife ich jetzt nicht schon wieder zu den Eismarillenknödeln ab… Was man aus Knödeln noch so alles machen kann, zeigt das zauberhafte Büchlein Alles, was rund ist.

Gut finden wir die Mischung von Zutaten und Aufwand. Von easy-peasy Rezepten, die sogar jemand hinkriegt, der zehn Minuten vor Eintreffen der Gäste noch nicht mal die Küchenschürze umgebunden hat (Spanische Ziegenkäsebällchen: 350 g Ziegenkäse, 2 Eier, 100 Gramm Semmelbrösel, 4 getrocknete Tomaten), über mittleschwere Kost (New York Style Chicken Balls: 3 Schalotten, 600 Gramm Bratwurstbrät, 600 Gramm Hühnerhack, 3-4 Esslössfel Semmelbrösel, 100 Gramm Korinthen, 2 Eier, Salz, Zimt, Pfeffer), bis hin zu Gerichten für Prokrastinierer, deren Gedankengang sich so ähnlich liest: „Eigentlich müsste ich lernen. Ich könnte in der Lernpause ja Dänische Ebelskivers mit Wirsingfüllung ausprobieren. Dazu muss ich in drei verschiedene Supermärkte, zum Bioladen und zum Türkenmarkt. Während die Wirsingkohlstreifen in der Marinade ziehen, schneide ich den Schafskäse und Kochschinken in kleine Würfel. Dann warte ich, bis die Butter Blasen wirft. In der Zwischenzeit mit Lernen weitermachen oder überhaupt anfangen lohnt sich nicht. Dann fülle ich den Teig in Backmulden. Dann in den Ofen. Dann die Bällchen wenden. Weiterbacken. Auf keinen Fall unbeaufsichtigt lassen. Ist die erste Ladung feritg, folgt die nächste. Und dann: Zeit fürs Abendbrot!“

Wunderbar einfach sind die Walnuss-Feta-Bällchen. Ich habe damit wirklich erst angefangen, als meine Gäste praktisch schon im Türrahmen standen.

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Die Gäste kommen!

Auch der Fenchel-Orangen-Salat ist schnell und simpel. Beim nächsten Mal würde ich den Fenchel anbraten. Sowohl Walnuss-Feta-Bällchen als Fenchelsalat sind keine Stars beim kalten Buffet, eher Nebendarsteller.

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Eins…

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Zwei…

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Drei.

Dritter Versuch: Erbsenbällchen. Selbst wenn alles gelingt, hat man es mit einem giftgrünen (euphemistisch: frühlingshaften) Püree zu tun, der noch Tage später an den unmöglichsten Stellen auftaucht. Allerdings ist der Schüsselinhalt viel zu flüssig, als dass sich Bällchen daraus formen ließen. Was tun? Eine ordentliche Fuhre Mehl reicht nicht, das eingefrorene Fladenbrot muss ran. An dieser Stelle ein Lob an die schwäbische Hausfrau in mir, die jeden Minirest einfriert. Am Ende werden so etwas wie Knödel daraus. Ich habe ein wenig Ziegenfrischkäse und eine Prise frisch gemahlene Muskatnuss zugegeben und die Koriandersamen durch fertig gemahlenene ersetzt (normalerweise halte ich mich sklavisch an die Rezeptvorgaben, aber dies schien der rechte Moment für Experimente).

So richitg schlecht wird meine Laune trotz missglückter Erbsenpampe nicht. Das liegt an der Knödellyrik zwischen den Rezepten: „Lieber einen Kloß in der Hand, als einen Klotz am Bein.“

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Knödellyrik, ein unterschätztes Genre.

Zum Schluss soll noch Kochbuchautorin Juliane Pieper zitiert werden: „Das letzte Mal, dass ich mir nach jedem Essen ein Dessert bestellte, war im Jahr 1995. Ich war mit meiner damaligen großen Liebe in Prag. Das Restaurant Austria war ein Geheimtip, und wir haben es öfter besucht. Um seinem Namen alle Ehre zu machen, gab es im Restaurant Austria selbstverständlich großartige Desserts wie Marillenknödel, Powideltascherln oder Topfenknödel – weitere Gedichte in Knödelform mit Schlagobers und Vanillesauce. Wir waren dort sehr glücklich und sehr satt.“


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