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Lucky me

„Attention, vendages – Vorsicht, Weinlese“ steht in Weinregionen wie der Loire auf Straßenschildern geschrieben. Pourquoi ça?

Es ist nämlich so: Traubenlesen ist zwar manchmal anstrengend, aber auch meditativ, mit viel Zeit für gute Gespräche mit dem Gegenüber. Es herrscht eine Mischung aus Hippie- und Anarchiestimmung, alle teilen alles und verloren geglaubte Dinge (Regenjacken, Kameradeckel, Hipsterjutebeutel) kommen ganz sicher zurück.

Wer viel arbeitet, muss natürlich gut essen. Das zweite Frühstück wird im Weinberg eingenommen, Brot, Käse, Auberginenpaste, Muffins, manchmal ein Pain au chocolate und Pet Nat aus Espressotassen. Mittags und abends gibt es zum obligatorischen Wein – La Pause etwa oder Lucky You – vegetarische Gerichte aus lokalen Bioprodukten, mal französisch, mal Italienisch, mal armenisch, je nachdem, wer aus dem Team gerade im Küchenplan steht. Manchmal sogar Hipsteressen wie Quinoa-Salat mit Superfoods, dazu passt der Hipsterwein von Laurent Saillard (Zitat Laurent Saillard) natürlich sehr gut.

Nach Feierabend gehen alle zusammen im Fluss baden. Später wird gefeiert, gegessen, getrunken, gesungen, getanzt und diskutiert, auf Denglisch, Franglaise oder etwas ganz anderem. Am Wochenende helfen sich die Ernteteams befreundeter Winzer ohne Lohn gegenseitig aus, anschließend gibt es ein großes Erntefest, das vom Mittag in die Nacht übergeht. Viele Magnumflaschen auf dem Tisch.

Hoffentlich wird man in einigen Monaten über den Wein sagen können: Es war ein gutes Jahr. Auf die Weinlese in Pouillé trifft das definitiv zu. Lucky me, dass ich dabei sein konnte.

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