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Als ich das letzte Mal in Paris war, konnte ich kaum einen Kaffee auf Französisch bestellen und habe in meiner Erinnerung hauptsächlich Fleisch mit Soße und Kartoffelpüree gegessen. Zeit, dieses Missverständnis aus der Welt zu schaffen. Ein Wochenende ist dafür viel zu kurz, jedenfalls wenn man mehr als zwei Stunden am Stück nichts essen möchte. Wir geben unser Bestes. Trinken geht immer, bien sûr.

Wir beginnen den Tag mit einem Glas Wein ohne Austern auf dem Les Enfants du Marché. Von dort sind es nur ein paar Schritte zum Breizh Café. Ohne Zweifel steht dieses in jedem Reiseführer – falls es das überhaupt noch gibt – weil man allen Ernstes eine Dreiviertelstunde auf einen Tisch wartet (Paris macht demütig. Manche Restaurants sind auf Wochen ausgebucht oder haben am Wochenende geschlossen). Statt zu warten, nehmen wir einen Crêpe mit Zucker und gesalzener Butter to go. Ehrlich gesagt habe ich den in der Berliner Markthalle IX schon besser gegessen.

Zeit für ein wenig Kultur: Mit dem Roller fahren wir zum Palais de Tokyo. Und zwar nicht mit einem Motor- sondern einem Elektrotretroller. Das macht genau so viel Spaß wie es aussieht. Wie lang es wohl dauert, bis der Trend in Berlin ankommt?

Man muss in Paris mit dem Aperitif nicht bis zum Abend warten, viele Weinbars öffnen um 16 Uhr. La Cave Du Septime zum Beispiel, wo sie viele französische und einige österreichische Weine haben, zum Beispiel von Judith Beck. Ganz wunderbar finde ich auch La Buvette. Weil sie keine Barlizenz haben, muss dort zum Wein etwas gegessen werden. Pas de problème, wenn das geräucherter Burratina und mit Blüten marinierter Thunfisch ist.

Dann gehen wir wirklich essen (die vielen kleinen, über den Tag verteilten Desserts lasse ich der Einfachheit halber unerwähnt. Ein Highlight war das optisch an einen Betonklotz erinnernde Kastanientörtchen von Cyril Lignac). Die Clown-Bar sieht aus wie ein typisches Bistro, klein, laut, mit dem Unterschied der Zirkusdeko. Wie so viele derzeit setzt sie auf kleine Gerichte zum Teilen. Das ofenwarme Brot mit Salzbutter – die man, warum auch immer, nur auf Nachfrage bekommt – gehört zu den Sternstunden des ganzen Wochenendes. Ebenso der Wein, ein Chardonnay von Domaine André et Mireille Tissot. Appetitlich sieht das kohlrabenschwarze Makrelentempura nicht aus, aber oh là là, es schmeckt. Toll ist der rohe Bonito mit Himbeeren, noch toller die anschließenden Hummerspaghetti. Zum Glück gebe ich mich mit dem ersten Dessert, einer Blaubeertartelette mit Thymianeis, nicht zufrieden. Die anschließende warme Schokomousse mit Tahiti-Vanille macht aus einem Teller nämlich ein Südseeparadies.

Es gibt viele letzte und allerletzte Stationen in Paris. Wir entscheiden uns für das Aux Deux Amis, wo offenbar nur Einheimische trinken. Ein Glas Grenache auf Französisch bestellen? Ça marche.

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Ah, c’est Paris!

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Unboxing breakfast bei Cyril Lignac

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Roher Bonito, roter Pfeffer, Himbeeren und Johannisbeere in der Clown Bar

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Geräucherter Burrata bei La Buvette

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Geräucherter Thunfisch bei La Buvette

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Tonkabohnentörtchen bei Blé sucré

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Eines von vielen vollen Gläsern bei La Cave de Septime

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Gurkensuppe mit Austern und weißen Johannisbeeren bei Saturne

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Tartelettes mit Tomaten, roten Johannisbeeren und Brombeeren bei Saturne

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Schokoladencreme mit Haselnüssen, Buchweizeneiscreme und Heusahne bei Saturne

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Geröstetes Brot mit Sardinen bei Clamato

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Roter Thunfisch mit Feigen und Kirschblatt bei Clamato