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Servus, Schwabe!

Der Schwabe in Berlin vergisst mitunter die Vorzüge seiner Heimat. Diese Postkartenpanorama! Zwar zeigt das Thermometer rund um Tübingen grundsätzlich vier Grad weniger an als überall sonst in Deutschland, dafür hat dieses raue Klima in jahrtausendealter Kleinstarbeit die Landschaft geschliffen. Nach Hause kommen heißt: Berge sehen.

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Mit im Bild: der Maibaum.

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Die Alpen?

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Das Hexenhäuschen?

Ein weiterer Vorzug ist die schwäbische Küche. Mit den deutschen Spezialitäten tut sich der Feind der Hausmannskost im Allgemeinen schwer, der Vegetarier im Besonderen, aber immer noch lieber die Spätzle auf dem Teller, als die Königsberger Klopse im Topf. Überhaupt kennt die schwäbische Hausfrau einige fleischlose Rezepte, selbst Maultaschen mit Gemüsefüllung (anstelle des sogenannten Bräts, eines Hickhacks aus Schweinefleisch) wurden schon gesichtet.

Im Idealfall kommen Postkartenidyll und lecker Schwabenküche im Doppelpack. Wenn dann noch das Wetter passt, das Thermometer also überall sonst 35 Grad zeigt und hier 28 Grad,  kann es passieren, dass sich der Heimkehrende in Alpennähe wähnt. Passenderweise begrüßt einen das Personal der Traufganghütte mit „Servus.“ Auf „Grüß Gott“ können sich Schwaben und Bayern ja noch einigen, aber „Servus“? Haben sich während meiner Abwesenheit die Dialekte derart durchmischt? Das zumindest würde erklären, warum die Bedienungen Dirndl tragen und das Bier als Milch bezeichnet wird.

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Zieh den Hut.

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Grundnahrungsmittel?

Auf der Getränkekarte steht Seezüngle, eine Limo, die mit dem skurrilen Slogan „Haben Sie schon mal gezüngelt?“ wirbt. Vorbild war der Bionade/-Biohype, entsprechend angenehm unsüß ergo natürlich züngelt es am Gaumen. Außerdem Almdudler, als Gruß an’s ferne Österreich.

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt, wie es so schön heißt. Der Vegetarier orientiert sich entweder Richtung Elsass (ein krosser Flammkuchen, serviert auf dem Holzbrett) oder besinnt sich auf die lokale Spezialität Kässpätzle. An deren Portionsgröße hätten auch Hans und Erna nichts auszusetzen gehabt, deren reservierter Tisch leider leer bleibt. Lediglich die Menge der Röstzwiebeln bleibt hinter den Erwartungen zurück. Röstzwiebeln sind für den Schwaben nämlich so essenziell wie die Saucenseen, in denen der Gulasch schwimmen muss.

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Wurden nicht gesichtet: Erika u. Hans.

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Analog zu den Saucenseen: das Röstzwiebeltopping.

Für besondere Anlässe mieten Gäste der Traufganghütte die Grillhütte mit integrierter Feuerstelle, auf deren Terrasse ein Maibaum steht. Mehr als einmal habe ich versucht, den Berlinern die schöne Tradition des Maibaumsteckens nahe zu bringen, geworden ist daraus nichts (zugegeben erschwert der nicht-vorhandene Wald und die Höhe der Häuser dieses Unterfangen). Wer Maibäume sehen will oder Berge, kommt nicht umhin, ein, zwei Mal im Jahr nach Hause zu fahren. Wie nett es da ist, wissen selbst die Hauptstadtbusse.

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