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Snackbare Souvenirs

Nach zwei Wochen Japan stellt sich die Frage: Was fängt man mit sieben Kilo Untergewicht im Koffer an? Dasselbe, was bei minus sieben Körperkilo zu tun ist: mit Essen füllen. Folglich ist der letzte Tag meines Urlaubs für den Hamstereinkauf reserviert. Netterweise begleitet mich meine Gastgeberin, denn allein hätte ich nicht gewusst, was ich in den Wagen packe. Es sind immer noch immer die Schriftzeichen, Du westlicher Trottel! Eine andere Herausforderung birgt das Gewicht der Waren. In Mathe war ich immer schlecht, aber, was soll ich sagen, das Schätzen liegt mir. Am Ende wiegt der Koffer 24,7 Kilogramm und ist gefüllt mit:

– einer Packung umeboshi, sauer eingelegten Pflaumen

– einer Packung natto, diesem bizarren Sojabohnengemisch, vor dem sich selbst Japaner fürchten

– vier Miniquadraten halbfesten Tofus

– einem putzigen Becher mit Zitronengesicht, dessen Inhalt sich als Mandarine in Aspik entpuppt

– einer Flasche yuzu-Sojasauce und zwei Flaschen Sesamcreme

– zwei Kilo frisch geerntetem Reis, der selbst ohne Reiskocher so gut gelingt, dass Gäste glauben, ich hätte einen

– einer Vorratspackung Kit Kat mit Cheesecake-Geschmack

– vier Fläschchen Lipovitan D, einem hierzulande nicht zugelassenen Energy- aka Anti-Kater-drink, dem sagenhafte Wirkung nachgesagt wird

– einer Flasche sake. Bloß welchen? Bei einer Auswahl von mehreren hundert mit spezifischen Schriftzeichen bedruckten Flaschen stoßen die Sprachkenntnisse meiner Gastgeberin an ihre Grenzen. Eine Verkostung wäre angebracht, ist aber in einem Supermarkt wohl ein bisschen viel verlangt. In der Stunde der Not muss man sich andersweitig helfen. Ich kaufe die Flasche mit dem schönsten Etikett.

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Nach meiner Rückkehr finde ich das Kochbuch Tokio – Die Kultrezepte auf meinem Büroschreibtisch.

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Am nächsten freien Abend lebt Japan in meiner Küche auf. Es gibt Tofu, mariniert in Salatgurke-shichimi-Sauce, Hourenso no goma ae (Spinat mit Sesamcreme), Kabocha salada (Hokkaidokürbissalat), Nasu no miso itame (gebratene Aubergine mit miso), Hinomaru gohan (Reis mit umeboshi) und zum Nachtisch Kabocha chakin-shibori (gepresste Kürbisbällchen).

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Hat man die Grundzutaten zu Hause – und hell yeah, ich habe sie – gelingen die Rezepte problemlos. Nach einigen Zweifeln bin ich wieder mit der japanischen Küche versöhnt und von ihrer Einfachheit überzeugt. Für ZEITonline hab ich das aufgeschrieben.

Das einzige meiner Souvenirs, das nicht schmeckt? Der sake.


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