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Im Sommer sicher schöner, im Winter trotzdem lecker

Wer Albanien besucht, fährt tendenziell in den Süden. Schön da. Chef Bledar Kola bestand darauf, uns seine nördlich von Tirana gelegene Heimat zu zeigen. Nach einem kurzen Stopp in Lezha sind wir bei Mrizi i Zanave Agroturizëm gelandet.

Auf Englisch heißt das, was die Brüder Prenga dort machen, Agritourism. Eine zufriedenstellende Übersetzung habe ich noch nicht gefunden. Gemeint ist die Verbindung von biologischer Landwirtschaft und sanftem Tourismus. Wer möchte, übernachtet in einem renovierten Bauernhaus, mit großzügig verglaster Außenwand und Blick auf die wirklich schöne Landschaft, und das für bemerkenswert wenig Geld.

Wir sind nur zum Essen geblieben. Das dazugehörige Restaurant ist die Geburtsstädte der albanischen Slow-Food-Bewegung. Besonders gerne mochte ich die vielen Vorspeisen – frittierte Zucchiniblüten, Oliven, essigmarinierte Wachteleier – und den herrlichen Käse aus eigener Herstellung. Vorneweg gab es Wachtelei im Rettichmantel mit Spinat und Frühlingszwiebeln. Anschließend Yufka, die albanische Antwort auf Tagliatelle, mit Blaubeeren, dazu mit Käse und Honig gefüllte Teigtaschen. Die Dessertauswahl hat selbst mich produktiv überfordert: Rosensorbet, Baklava mit Maronengelee, Kaffeecreme, Cheesecake, eingelegte Kornellkirschen und frische Khaki (wow), wilder Granatapfelsaft und Minzeis. Dazu Raki, Kirsch- und Walnusslikör. Ich mag den Norden!

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Yufka mit Blaubeeren, mit Käse und Honig gefüllte Teigtaschen

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Wachtelei im Rettichmantel mit Spinat und Frühlingszwiebeln

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Slow Food auf Albanisch

Ceci n‘est pas une pipe – und das kein typisches albanisches Restaurant. Chef Bledar Kola war Tellerwäscher in London, später Praktikant im Noma und Fäviken Magasinet. Entgegen aller guten Ratschläge kehrte er zurück in seine von vielen Vorurteilen belasteten Heimat (Messerstecher, Armenhaus, Sirenentechno), um in Tirana das Mullixhiu zu eröffnen.

Beim Betreten fühlt man sich wie in Omas Bauernstube. Knarrende Dielen, zu Lampenschirmen umfunktionierte Hüte, das Besteck liegt in einer Schublade bereit. Inspiriert ist die Einrichtung von Magnus Nilssons Fäviken. Im Eingangsbereich stehen drei Mühlen, mit denen Kola sein eigenes Urgetreide mahlt.

Das Tasting Menu bietet einen guten Überblick über das, was der 34-Jährige macht: Die albanische Küche auf ein neues Niveau heben. Es gibt Brot aus alten Getreidesorten, Kartoffelsuppe, mit Wachteleiern gefüllte Teigtaschen zum hausgemachten Ayran, gefüllte Weinblätter mit Brokkolipuder und frittiertem Reis, Forelle aus der Region Kelmendi und, mein Favorit, Trahana, fermentiertes Getreide mit eingelegten Trauben, gemahlenen Sonnenblumenkernen und Spinatsoße.

Zum Nachtisch dann den käsekuchenartigen Qumeshtor mit Maulbeermarmelade, später Raki und eine Art Portwein. Und die eingangs erwähnte Pfeife, in der sich Boza verbirgt, eine Art fermentierte Getreidelimo.

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Kadaif und fermentiertes Boza mit Eis

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Baby Goat Pie und Spinatsalat mit Feigenbrot

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Kelmendi Forelle

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Kartoffelsuppe