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Mehr Schnittblumen

In manchen Teilen San Franciscos fühlt sich die Stadt sehr europäisch an. Mehr Schnittblumen, mehr „Wählen Sie Ihren Rohmilchkäsefavoriten“-Wettbewerbe.

Biosupermärkte wie Bi-Rite Creamery verkaufen Blumensträuße, frische Pasta und Weine aus dem Baskenland. Chad Robertson von Tartinebakery Sanfrancisco hat sein Handwerk unter anderem bei französischen Bäckern gelernt. Mich hat seine Viennoiserie, allen voran das gigantische (hinsichtlich Geschmack und Größe) Mandelcroissant an jene von Albatross erinnert. Mit einem Unterschied: Den Kaffee finde ich ähnlich untrinkbar wie in Los Angeles. Sorry guys.

So wie in Berlin die Leute vor Clubs stehen hier die Leute für Essen an. Bei Statebird Provisions verteilen sie heiße Gewürzschokoladenshots an die Wartenden. Es lohnt sich. Der Großteil der Gerichte wird von tätowierten Bartträgern an den Tisch gerollt oder getragen. Ein Nachteil ist, dass man hinterher nicht mehr weiß, was auf den Fotos zu sehen ist, außer „irgendwas mit Avocado“. Wie in Europa gibt es die in Kalifornien an jeder Ecke. Nur eben von hier.

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Schnittblumenorgie bei Bi-Rite

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Irgendwas mit Avocado bei State Bird Provisions

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Beten-Mochi mit Umeboshi, Bonito und Ziegenkäse

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Irgendwas mit…

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Custard Cake mit Buchweizen, Aprikosenmarmelade, Walnüssen und Mohn, Schokoladen-Walnuss Boca Negra mit geräucherter Ingwercreme und Walnuss-Tamari-Soße

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Erdnuss-Muscovado-Milch

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Kaiseki in Kalifornien

Ausgerechnet in Kalifornien habe ich japanische Perfektion erlebt. Kaiseki bezeichnet eine Vielzahl kleiner, leichter Gänge und die Kunst, so lokal und saisonal wie möglich zu arbeiten. In Healdsburg, einem Ort mit gerade mal 11 000 Einwohnern, wurde dessen europäische Entsprechung Farm to Table praktisch erfunden. Dort befindet sich das SingleThread Farm – Restaurant – Inn, eines der besten Restaurants Nordamerikas. Es vereint das Beste aus beiden Welten: dem kulinarischen Paradies schlechthin und dem in nachhaltige Landwirtschaft vernarrten Sonoma County.

Die Betreiber Kyle und Katina Connaughton orientieren sich an 72 Mikrosaisons. Allein nach dem ersten, schlicht „Late Winter in Sonoma“ betitelten Gang gibt es so viel zu erzählen wie nach einer Japanreise. Eines meiner persönlichen Highlights waren die anschließend servierten, in Olivenöl marinierten Austern, obwohl ich Austern sonst wenig abgewinnen kann. Es folgte eine perfekt durchdachte, Hilfsausdruck, elfgängige Komposition von Fisch- und Meeresfrüchteminiaturen, Tofu- und Gemüsegängen und dreierlei Desserts, mehr als nur japanisch inspiriert, aber durch und durch radikal regional mit Zutaten von der hauseigenen Farm.

Ich hatte das große Glück, in einer der schlicht Gästezimmer genannten Suiten übernachten zu können. Das japanische Frühstück am nächsten Morgen war ähnlich überwältigend wie das Essen am Abend zuvor, mit Schüsseln voller Reis, eingelegtem Gemüse, Seidentofu mit fassgereiftem Ponzu, Miso Suppe, den vergorenen Sojabohnen Natto, einem im Mund schmelzenden Lachs und, als Sonderwunsch für den „Sweet Tooth“, einem Rhabarber-Tonkabohnen-Scone. All das aufgetragen und geduldig mehrfach erklärt von einem Service, der japanischen Standards mehr als gerecht wurde.

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Late Winter in Sonoma

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Ein Stück Perfektion

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Kartoffel in cremiger Perfektion

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Schwarzer Kabeljau mit Mama Miso, Yuba und Gemüse von der Single Thread Farm

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Goldene Milch, Datteln und Kinako-Butter, Rooibos und verbrannter Honig mit Blutorange

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Misozuke King Salmon

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Rhabarber-Tonkabohnen-Scone

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Absolutely nothing that day

But we did nothing, absolutely nothing that day
And I say, what the hell am I doing drinking in L.A.

It never rains in Southern California? Stimmt gar nicht, ein paar Tage vor meiner Ankunft hat es ziemlich viel geregnet. Am Sonntag hingegen ist das Wetter in Los Angeles so, dass es in Berlin schon beinahe als Sommer durchginge. Ideal also, um den Abbot Kinney Boulevard entlang zu flanieren, der wiederum Berliner Hipsterstandards genügt.

Der Kaffee bei Inteligentsia Cafe hat für meinen Geschmack zu viel Säure, aber wahrscheinlich trinkt man da auch keinen Cappuccino, sondern Filter, I know. Von dort sind es nur ein paar Schritte zu Gjelina, einem der vielen Tipps auf meiner Liste. Mit Jetlag darf man auch nachmittags noch frühstücken, weshalb ich mich für die pochierten Eier mit Bohnen, Shiitake Pilzen und Salbei Pistou entscheide. Sehr kalifornisch, dass als Beilage kein Brot kommt, sondern Dinkel. Die Buchweizen Pancakes der Nebensitzer sehen so, so gut aus – aber gleich nebenan gibt es bei Salt & Straw Ice Cream offensichtlich mit die beste Eiscreme der Stadt, und wie könnte man den Sommerbeginn würdiger zelebrieren? Die sehr geduldigen, sehr netten Mitarbeiter (OMG, alle in Los Angeles sind SO nett) lassen einen Sorte um Sorte probieren. Meine Wahl fällt auf Salted Malted Chocolate Chip Cookie Dough, gegen das Ben & Jerry‘s so kreativ wirkt wie ein deutscher Socken-in-Sandalen-Tourist, und Cupcake Royale‘s Salted Caramel Cupcake, dessen Wortwitz ich nicht verstehe, das aber awesome schmeckt (alle sagen awesome, die ganze Zeit).

Dann Daytime Drinking in L.A.

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Fauna auf dem Abbot Kinney Boulevard

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Pochierte Eier mit Bohnen, Shiitake Pilzen, Dinkel und Salbei Pistou

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Good stuff from Salt & Straw

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Venice Beach