Alle Artikel mit dem Schlagwort ‘Wien

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Farbton Winifred

Als ich den korkendicken Katalog der Vie Vinum gesehen habe (rund 600 Aussteller, keine funktionierende Klimaanlage), habe ich ein bisschen FOMO gekriegt und das Gefühl, nicht sommerlich genug angezogen zu sein.

Viel besser, stattdessen zur Renaissance des Appellations im MQ – MuseumsQuartier Wien zu gehen. Da waren es nur ein paar Dutzend Winzer und die auch noch sehr umgänglich.
Am Stand von Gut Oggau hab ich etwas zu heftig gestikuliert – sorry! – aber hey, die Flecke haben farblich zu meinen Schuhen gepasst (Farbton Winifred). Neue Favoriten (Danke an Meinklang für die Tipps): gewagt Katalanisches von Finca Parera, Hausgemachtes aus Langenlois von Konsti & Markus und eine Flasche mit Milliarden Sternen drauf.

Später gab es im HEUER am Karlsplatz Unbekanntes vom Weingut Tenuta Alois Lageder und Clemens Busch zu verkosten, dazu Spargelrisotto, Misolachs und warmer Schokokuchen mit Vanillesahne.

Und dann, irgendwann: Chardonnay von Domaine Labet im MAST Weinbistro.

Und dann, noch irgendwanner: Gute Nacht, Wien.

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Hueregueter Chäs

Alle Schweizer sind Punks, jedenfalls alle, die ich kennengelernt habe. Angelo Stäldi etwa, mit dem ich für Vice Munchies auf einer Kirchenbank über Milchschaumverbote und Innereien im Kühlschrank gesprochen habe. Ebenso Andrzej Koch, der in der Wollzeile den kleinsten Käseladen Wiens betreibt. Jetzt hat Der Schweizer Konkurrenz bekommen von Jumi, einem mit Schweizer Perfektion und Schweizer Punkattitüde eingerichteten Shop im achten Bezirk. Neben Kuhglocken, einem riesigen Metallbottich und fantastischen Käsen in Form von Gehirnen gibt es dort Käsehobel, schwarze Nüsse (Hallo, Trend!) und Weine des Collectif anonyme. Einer von Jumis Bestsellern heißt AGAB, was für All Goats are beautiful steht. Was es damit auf sich hat, habe ich für die FAZ Woche aufgeschrieben. Huereguet drückt auf Schwyzerdütsch übrigens Wohlgefallen aus.

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Paul x Perle

Von Zeit zu Zeit muss auch eine Foodautorin weg vom Schreibtisch und hinter den Herd, um die Realität nicht aus dem Blick zu verlieren. Gemeinsam mit dem großartigen Buch-, Wein- und Trüffelliebhaber Jörg Dauscher koche ich unter dem Namen Paul & Perle mehrgängige Menüs für Freunde und Fremde. In Berlin sagt man dazu Supper Club, …

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Eitrige – Liebe ist, wenn man es trotzdem isst

Wien ohne Würstlbude ist wie Berlin ohne Currywurst. Am U-Bahnhof Eberswalder Straße bringt der Mutzenbacher-Imbiss seit letztem September ein Stück österreichische Esskultur in die Hauptstadt. Bereits seit 2012 betreiben Franz Steiner und Marcel Schnabel das gleichnamige Restaurant in Friedrichshain, von ihrer Street Food-Credibility kann man sich unter anderem auf dem Village Market in der Neuen Heimat überzeugen. Logischer nächster Schritt ist eine Würstlbude – stilecht ohne -e. Am Wiener Gürtel sind diese Buden Institutionen des Nachtlebens, weswegen auch der Mutzenbacher-Imbiss bis Mitternacht geöffnet hat. Je später der Abend, desto besser schmeckt die Käsekrainer – der Österreicher sagt „Eitrige“ dazu – eine knackige Wurst mit flüssigen Käsestückchen oder die Landjäger, eine getrocknete, haltbare Wurst und somit idealer Proviant für die kommende Nacht. Das Fleisch kommt direkt aus Franz’ Heimatdorf in Kitzbühel. Echte Prenzlauerberger greifen beim veganen Alpenburger zu oder bei den von den Piefkes zu unrecht verschmähten Mannerschnitten. Für spontane Feierlichkeiten hält der Imbiss Champagner bereit, eine Marotte, die man von Berlin-Touristen kennt, die Perlwein in Kombination mit Currywurst für eine Delikatesse halten. Dann doch lieber eine Bosna, eine Bratwurst, serviert mit Estagonsenf, Petersilie, Zwiebeln, Ketchup – und Currypulver.

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#vienna #shortnotes

 Auszug aus dem Wiener Reisetagebüchlein, das natürlich ein Moleskine ist: – Bei Veganista im siebten Bezirk behauptet das Eis, ein „ehrliches“ zu sein. Konkret bedeutet das Tonkabohne, Mohn und Hafer-Zimt auf veganer Basis. Besonders gelungen ist der Name für das, was in Berlin Zwei Dicke Bären machen, ein Cookie-Eis-Sandwich. Hier heißt es Inbetwiener. Zufälligerweise kenne …

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Was Hans mich nicht lehrt, lern ich von Hänschen

Ich habe einen Wiener Freund, der möchte mir seine Kultur erklären. Nennen wir ihn Hans. Hans findet, nichts bündele die österreichische Seele so sehr wie der Heurige. Man muss sich den Heurigen als bodenständige Version eines Weinlokals vorstellen. Hans‘ Jugend fand praktisch ausschließlich im Heurigen statt, daher sein fundiertes Wissen und sein Wunsch, mich an …

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Oben sitzt es sich imperial

Beim K. u. K Hofzuckerbäcker Demel mag der Tourist noch weniger als solcher entlarvt werden als am Würschtelstand. Nichts wäre schlimmer, als in einen Topf mit den Socken-in-Sandalen-tragenden Briten geworfen zu werden. So nuschelt der Toursit den deutschen Akzent hinweg und spickt seine Sätze mit möglichst vielen „Eh’s“, die dem Wiener so leicht über die …

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Von Blogger zu Blogger

Der Blogger ist ein einsamer Wolf. Selten begegnet er seinen Artgenosen in der freien analogen Natur, meistens bleibt es beim gegenseitigen Beschnüffeln im Netz. Zu meinen liebsten Kolleginnen gehört Katharina Seiser. Esskultur.at ist denkbar weit vom üblichen Rezept-Schnickschnack entfernt, stattdessen gibt sie Tipps, mit welchen Speisen man die Hitze übersteht (damals, ach, im Sommer), Erfahrungsberichte, …

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Statt Kaffeehaus (Kaffee mit langem -e) – Third Wave Coffee in Wien

Nach Wien kam ich im unerschütterlichen Glauben an die Kaffeehauskultur. Gewiss säßen dort alle den ganzen Tag in hallenartigen Räumen, ließen sich von Kellnern im Frack anmotzen und rührten in ihrem winzigen Einspänner. Die Erfahrung zeigte, dass es solche mondänen Häuser noch gibt, wo Thomas Bernhards Geist weht und ältere Herrschaften über den Sittenverfall schimpfen. …

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„Wie in Wien, dachte ich mir“

„Ich ließ mir eine Flasche Chardonnay Steinhof Reserve 2012 von Wieninger kommen, 2012 war in Wien ein denkwürdiges Jahr gewesen, die Weine zeigten Rohseide, Zahngold, Handschuhleder, einen Dialog von Knochen und gebackenem Pfirsich, der von kristalliner Mineralität moderiert wurde (…). Wie in Wien, dachte ich mir, wo man für den Preis eines Bieres im Kaffeehaus den ganzen Tag lang sitzen kann, nachdenken, alle Zeitungen lesen, kann man hier für ein paar hundert Dollar über einem Teller Knödel mit Kaviar vom artengeschützten Traunseestör Platz nehmen, unter einem großformatigen Bernhardporträt von El Schnabuloso, das Bernhard frierend zeigt, in der Nacht, im Winter, an einem spanischen Strand, in einem Trenchcoat mit Naturhornknöpfen, mit schwarzen Adern an den Schläfen, im Licht einer letzten Straßenlaterne.“

Aus dem ganz wunderbaren Roman „Die Murau Identität“ von Alexander Schimmelbusch.

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Friede den Eispalästen

Von der Innerern Stadt bis Favoriten sind es fünfzehn Minuten. Es ist eine Reise vom einen Ende der Einkommensgrenze zur anderen. Wiens zehnter Bezirk ist von der Gentrifizierung so weit entfernt wie Back Company von der Filterkaffeewelle. In Favoriten ist nichts im Kommen. Der Reumannplatz, das abstrakt-hässliche Herzstück des Bezirks, erinnert einen daran, dass Wien nicht bloß aus …

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Kunstgeschichte studieren, Deli eröffnen!

Alle Geisteswissenschaftler träumen davon, etwas Echtes zu machen. Julia Kutas hat ein Restaurant eröffnet. Die gebürtige Ungarin studierte Kunstgeschichte und schloss ihren Magister mit einer Arbeit über Eat-Art ab. Ihr Hidden Kitchen liegt mitten in Wiens poshem ersten Bezirk, zwischen Institutionen mit klingenden Namen (Café Central, Café Korb, Figlmüler).

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„Ich bin auch eine, die aus Zeitschriften Rezepte herausreißt“

In lockerer Folge trifft Hanns-Georg Rodek, Film-Redakteur bei der Welt, berühmte Menschen zum Tischgespräch. Dass Essen die Konversation anregt, ist bekannt. In Frankreich ist Konsens, dass das vorherrschende Thema dabei das Essen selbst ist. Deswegen geht es in dieser Rubrik weniger darum, die Vita des Interviewten durchzukauen (im wahrsten Sinn des Wortes), als übers Essen zu plaudern. Mit Nora von Waldstättten hat Rodek seine Meisterin gefunden. Hauptberuflich ist sie Schauspielerin, nebenberuflich Gourmandise. Seit zwölf Jahren lebt die gebürtige Österreicherin in Berlin, wo sie manche Speise ihres Heimatlandes vermisst (Sachertorte, die echte und die ist wirklich der shit), manche nach langer Suche ausfindig gemacht hat (Salzburger Nockerln, bei der  Nußbaumerin) und für die richtige Zutat mitunter quer durch die Stadt fährt („Wenn Sie wüssten, dass ich eine spezielle grüne Paprika nur am anderen Ende Berlins kriege, dann fahre ich die Stunde dorthin und die Stunde zurück.“). Verständlich, dass ihr das Zeit Magazin eine Kochkolumne einrichtet.

Getafelt wird im Garten des Hotels Savoy, da ist die Stimmung wahrscheinlich ähnlich wie in Wiens erstem Bezirk, weswegen der Interviewer von Waldstätten mit „Habe die Ehre“ begrüßt. Es gibt Kartoffelsuppe mit Trüffelöl, Frühlingsblattsalat mit Pfifferlingen, Filetspitzen an Himbeervinaigrette und Perlhuhnbrust mit Risotto. Ärgerlich lediglich, dass der Kellner den Salat vor die Dame platziert und das Perlhuhn vor den Herrn.

Wir lernen, wie man Gurkensoße zubereitet und welcher Bioladen im Prenzlauer Berg abends noch Rosmarin, Petersilie, Koriander, Knoblauch und Ingwer hat („der, vor dem die große Kuh steht“). Und kriegen wieder ein bisschen Sehnsucht nach Wien.

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Italodisco

Wiens sympathischste italienische Großfamilie hat Nachwuchs bekommen. Bislang zählte zu dieser Familie der Supermari, ein Supermarkt mit italienischen Importen, das Dolce Mari und Mari (der? die? das?) selbst. Ausnahmsweise empfehle ich nachdrücklich, den Link zur Website zu öffnen, so gekonnt ruft sie diese Bella-Italia-Stimmung ins Bewusstsein, Rimini, Softeis, rot-weiß-gestreifte Markisen, schulterfreie Badeanzüge, ihr wisst, was ich meine. …

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Ein Goldkehlchen macht den Sommer

Nicht-Biertrinker haben es im Sommer nicht leicht. Statt in rauchigen Bars verbringt man die Zeit im Freien, was großartig ist, aber die Getränkeauswahl einschränkt. Während sich alle im Späti um die Ecke Nachschub holen, muss ich entweder Limo trinken oder jemanden suchen, der sich eine 0,7 Liter Flasche mit mir teilt (und sie am besten auch noch trägt). Seit einigen Jahren hat die Alkoholindustrie Leute wie mich als Zielgruppe entdeckt. Vieles ist natürlich großer Quatsch, etwa darunter das sogenannte Frauen-Bier (da läuft es mir kalt den Rücken hinunter) in den Geschmacksrichtungen Ingwer-Orange, Grapefruit, Kirsch-Banane (es gibt übrigens auch Chips, die nach Bier schmecken, willkommen im Genderparadies Deutschland) oder Flaschen, die so hässlich sind, dass man unter keinen Umständen damit gesehen werden will oder Flascheninhalte, die so schlimm schmecken wie der Name vermuten lässt. Was dagegen gut geht, ist Cidre. So erfrischend wie eine Limo (wenn man wieder schwitzt beim Tanzen im Park), geschmacklich denkbar weit von Bier entfernt, mit einer breiten Palette von süßlich über fruchtig bis herb. Was die Corporate Identity betrifft, verstehen die Cidreproduzenten eindeutig mehr von ihrem Handwerk als ihre Kollegen von der Bierfraktion. Der Trend geht zum Lokalkolorit, viele Sorten tragen ihren Herkunftsort im Namen. In Berlin trinken wir Original Berlin Cidre, in Hamburg Elbler als Ebbe (mit weniger Alkoholgehalt) und Flut (mit mehr). Frankfurter sagen Äppelwoi dazu.

In Wien habe ich meinen Lieblings-Cidre gefunden. Er heißt Goldkehlchen, wirbt mit dem Slogan „Schöner zwitschern“ und die Flasche ist so schön, dass ich mich trotz übervollem Koffer nicht von ihr trennen kann. Marketingtechnisch macht das Ehepaar Adam und Eva (so heißen sie wirklich) alles richtig, das Vögelchen zwitschert sogar auf Twitter. Laut Flaschenhals werden die Äpfel in der Steiermark handgepflückt. Geschmacklich ist das Goldkehlchen süßer als seine Hamburger und Berliner Kollegen.

Foto 2Zu kaufen gibt es das Goldkehlchen zum Beispiel bei den Juice Brothers 2. Im Unterschied zum Späti-Paradies Berlin müssen sich die Wiener vor 19 Uhr Gedanken um den Getränkekonsum der kommenden Nacht machen. Die Juice Brothers 2 haben immerhin bis 21 Uhr geöffnet und anders als in Berlin lungern hier keine dubiosen, Sterni-trinkenden Gestalten herum. Discokugeln haben die Neuköllner-Spätibesitzer schon länger für sich entdeckt, hier liegt sie in der Ecke, neben einem Samtsofa.

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Von innen…

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… wie von außen hui.

Schade, dass ich zuhause auf die Goldkehlchen-Flasche als Sommeraccessoire verzichten muss. Da haben es die österreichischen Freunde besser. Das sei ihnen gegönnt, schließlich weichen sie gefährlich oft auf den sogenannten Weißen Spritzer aus, eine Weinschorle aus Wein von so geringer Qualität, dass sich mancher Barkeeper weigert, ihn pur auszuschenken. Nichts für Premium Kehlchen!